Wo Menschlichkeit aufhört und Wahnsinn beginnt

von Redaktion UOSSM Germany

Ost-Ghouta, Syrien, eine humanitäre Katastrophe.

Die Nachrichten aus Ghouta (nahe Damaskus) sind schockierend. Bis zu 400.000 Einwohner, die seit vier Jahren unter Belagerung leben, sind mittlerweile vollkommen von der Außenwelt abgeschnitten - ohne jeglichen Zugang zu Nahrungsmitteln und Medikamenten.

Sie hungern. Werden bombardiert. Werden zermürbt.

Kinder in Ost-Ghouta sterben, bevor sie einen Monat alt werden.

Kinder in Ost-Ghouta sterben, bevor sie einen Monat alt werden. Ihre Mütter sind selbst so schwach und unterernährt, dass sie sie nicht stillen können.

Humanitären und medizinischen Hilfsorganisationen ist es nicht möglich, Medikamente und Lebensmittel nach Ost-Ghouta zu bringen. Wir sind darauf beschränkt, den Kontakt mit den Menschen im Inneren zu halten. Tragen die Bürde, die Namen derer festzuhalten zu derer zu gedenken, die die Belagerung nicht überleben. Übernehmen die Verantwortung dafür, dass die Geschichten dieser Menschen in die Welt hinausgetragen und nicht in Vergessenheit geraten.

„Das gezielte Aushungern von Zivilisten als Methode der Kriegsführung [...]“

Das, was wir eigentlich leisten könnten – Leben zu retten und Hoffnung in die Region zurückzubringen – ist uns unter diesen Bedingungen kaum möglich. Die Union of Medical Care and Relief Organisations (UOSSM) unterstützt seit Jahren die Intensivstation des Duma-Krankenhauses sowie andere
humanitäre Einrichtungen vor Ort in Ost-Ghouta und wird auch weiterhin alles tun, um diese Unterstützung nicht abreißen zu lassen. Allerdings reichen unsere Anstrengungen nicht aus, um die drastisch steigende Zahl von Hilfsbedürftigen und Opfern der Belagerung zu versorgen. Die medizinischen Engpässe werden immer enger, unsere Möglichkeiten die Menschen in Ost-Ghouta zu versorgen immer geringer. Ost-Ghouta steht am Rande eines humanitären Desasters.

Wir ersuchen die Internationale Gemeinschaft, die Europäische Union sowie alle am Konflikt direkt oder indirekt beteiligten Parteien, Hilfsgüter nach Ost-Ghouta zuzulassen. Die Menschen sterben, ohne dass sie eine Schuld oder jedwede Teilhabe an der syrischen Situation haben. „Das gezielte Aushungern von Zivilisten als Methode der Kriegsführung ist eine klare Verletzung des humanitären Völkerrechts und möglicherweise ein Kriegsverbrechen“ (Rupert Colville, UN Hochkommissariat für Menschenrechte, am 27.10.2017; Quelle: Tagesschau, 30.10.2017. „Hunger in Ost-Ghouta“ www.tagesschau.de/multimedia/video/video-341977.html).

Wenn der Konflikt eine unschuldige Zukunft im Keim erstickt

In Ost-Ghouta leben Kinder, die den Frieden nie erlebt haben

In Ost-Ghouta leben Kinder, die den Frieden nie erlebt haben. Leben Mütter und Familien, die am Konflikt keine Schuld tragen, nie Partei ergriffen haben, die in eine Situation hineingezogen wurden, die lebensunwürdig ist. Es sterben Säuglinge, bevor sie überhaupt in der Lage waren, zu begreifen, in welche Situation sie hinein geboren wurden.

  • Oubaida, weiblich, nicht einen Monat alt, starb vor zwei Wochen aufgrund von extremer Unterernährung in Ost-Ghouta. Ihre Mutter war zu schwach um sie zu stillen.
  • Sahar, weiblich, 34 Tage alt, vor vor zwei Wochen im Hamouria Krankenhaus. Sie war bereits zu schwach, als es ihren Eltern gelang, sie herzubringen. Sie wog zum Zeitpunkt ihrer Einweisung weniger als 1,9 kg und starb wenig später aufgrund schwerer, akuter Unterernährung. Ihr Mutter war selbst stark unterernährt und konnte sie nicht versorgen.
  • Mohammed, männlich, 1 Tag alt, musste aufgrund einer Ösophagusatresie operiert werden. Die Operation wurde konnte durch Unterstützung eines Online zugeschalteten Spezialisten-Teams erfolgreich durchgeführt werden. Der Säugling starb einen Tag darauf aufgrund des Mangels an Medikamenten.
  • Kinan, männlich, sechs Monate alt, starb vor vier Monaten an Leukämie. Aufgrund der Belagerung war es den behandelnden Ärzten unmöglich, die benötigten Medikamente und Mittel aufzutreiben, um das Kleinkind zu retten.
  • Mehrere Menschen, überwiegend weiblich und mehrheitlich Kinder, sterben an Vorerkrankungen und chronischem Leiden, Diabetes, Nierenproblemen, Krebs und anderen Blutkrankheiten (Rahma Krebs- und Blutzentrums, Ost-Ghouta)

Ein altes, syrisches Sprichwort besagt, „In Syrien muss niemand hungern“. In Ost-Ghouta vernichtet der Hunger heute die unschuldige, zukünftige Generation des Landes.

Internationale Aufmerksamkeit kehrt nach Syrien zurück

Die öffentliche Aufmerksamkeit wird mit von Jahr zu Jahr geringer und dramatische Ereignisse von Tag zu Tag gewöhnlicher

Die Lage in Ost-Ghouta ist so gravierend, dass selbst internationale Mainstream-Medien darüber berichten – und das nicht in Form einer 3-Sekunden-Berichterstattung in den Nachrichten, sondern über Minuten hinweg. Die Krise in Syrien währt nun bereits seit sieben Jahren – das ist genauso lange, wie der Zweite Weltkrieg gedauert hat.

Die öffentliche Aufmerksamkeit wird mit von Jahr zu Jahr geringer und dramatische Ereignisse von Tag zu Tag gewöhnlicher: Seien es die gezielten Angriffe
auf medizinische Einrichtungen und medizinisches Personal, die niemanden mehr schockieren. Sei es das Leid der Bevölkerung, an das sich die Welt beinahe schon gewöhnt hat. Sei es die machtpolitischen Veränderungen, die die Karten jeden Monat und jedes Jahr neu verteilen.

„Die Welt ist viel zu gefährlich, um darin zu leben – nicht wegen der Menschen, die Böses tun, sondern wegen der Menschen, die daneben stehen und sie gewähren lassen.“ - (Albert Einstein)

Rote Linien werden aufgezeigt und überschritten. Menschenrechtsverletzungen werden kritisiert und ignoriert. Kriegsverbrechen werden diffamiert und erneut begangen. Dass Ost-Ghouta nun in die Mainstream-Nachrichten gelangt, ist ein deutliches Zeichen dafür, dass der Konflikt an dieser Stelle ein neues Maß an Grausamkeit, menschlichen Leidens, an unvorstellbarer Hilfsbedürftigkeit erreicht hat, welches selbst für Syrien nicht als „alltäglich“ abgetan werden kann.

Unsere Forderung aus einer Perspektive der Humanität

Unsere Forderung aus einer Perspektive der Humanität

Die Union of Medical Care and Relief Organisations (UOSSM) unterstützt seit Jahren medizinische Einrichtungen in Ost-Ghouta, sowie in anderen sowohl durch das syrische Regime als auch durch Oppositionsparteien kontrollierte Gebiete. Wir machen keinen Unterschied dabei, aus welcher Region eine Person stammt, die humanitäre und medizinische Hilfe benötigt. Uns geht es darum, Leben zu retten; darum, die Gesundheitsversorgung für alle Menschen – ungeachtet ihrer Nationalität, ihrer Abstammung, ihres Geschlechts, ihrer religiösen oder politischen Zugehörigkeit –heute und auch in Zukunft zu gewährleisten.

Dr. Ziad Alissa, Präsident von UOSSM in Frankreich, richtet sich unserer Vision und unserer klar definierten, neutralen, humanitären Position in Syrien entsprechend an die Internationale Gemeinschaft: „Wir fordern die Internationale Gemeinschaft auf, sich für die Beendigung der Belagerung einzusetzen, die Ghouta unterdrückt. Wir fordern einen sicheren humanitären Zugang, der durch die UNO gewährleistet wird. Tausende von Menschenleben stehen auf dem Spiel. Der Tod dieser Kinder muss uns alarmieren. Wie immer zahlen sie als erstes den Preis des Krieges“.

Unser Anliegen: Bewusstheit, Unterstützung, Menschlichkeit

Es ist heute wichtiger denn je, pflegende Angehörige und Menschen in Syrien zu unterstützen. Die geringe internationale Aufmerksamkeit, die dem Leiden und der Schutzlosigkeit der in Syrien verbliebenen zivilen Bevölkerung nach sieben Jahren des Konfliktes zukommt, macht es schwierig, ihre humanitäre und medizinische Versorgung aufrechtzuerhalten und ihnen die Unterstützung zukommen zu lassen, die Sie benötigen, um ein Leben innerhalb Syriens fortzusetzen. Tragen Sie unsere Nachricht weiter. Unterschreiben Sie die Petition. Schaffen Sie Aufmerksamkeit für ein Thema, dass mehr und mehr in den Hintergrund gerät.

Unterstützen Sie uns und unsere Partner dabei, die Bevölkerung in Syrien humanitär und medizinisch zu versorgen und den Menschen, die nicht aus Syrien Geflohen sind, eine Zukunft zu geben.

Für Presseanfragen stehen wir Ihnen jederzeit zur Verfügung.

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